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Monat: November 2008

Advent – die Einsamkeit wird für viele spürbar

Advent – die Einsamkeit wird für viele spürbar

Nachmittag – die erste Kerze am Kranz brennt, der Glühweinduft zieht durch die Wohnung – besinnliche Zeit … draußen ist es dunkel und ein Blick zu den anderen Häusern läßt einen Wärme und Geborgenheit überall hinter den erleuchteten, weihnachtlich geschmückten Fenstern spüren : Adventszeit

Jetzt kommen die Sonntage, an denen man nicht auf der Straße sein möchte. Auf dem Sofa in eine Decke eingehüllt fläzen, ein gutes Buch in der Hand, das Glas Glühwein steht auf dem Rauchtisch – und es ist Ruhe, keine Hektik mehr. Meine zwei Advents- und Weihnachtsgäste sind auch schon wieder hier – ich habe (ehrlich gesagt ) auf sie schon sehnsüchtig gewartet !

Andererseits : Solche – bei uns schon traditionellen – Gäste lassen die vergangene Zeit, die vergangenen Jahre wieder fühlbar werden. Auch weil die nächsten vier Wochenenden anders sein werden, als sie es in den letzten 24 Jahren für mich waren. Es fehlen welche zur Familienstunde am Adventskranz ! Die Entfernung für einen Kurzbesuch ist einfach zu groß !

Dabei habe ich es noch gut : Ich habe ein Telefon und weiß, daß die, die hier fehlen, sich über einen Anruf meinerseits freuen und auch selbst anrufen können (und werden ) ! —> im Gegensatz zu denen in Berlin, die nur die Straße kennen ! Ich will jetzt nicht urteilen, warum sie dort leben – ob selbst gewollt oder unverschuldet. In jedem Fall sind sie arm dran – nicht nur materiell, sondern vor allem auch geistig ! Und das Dumme ist : Gerade in dieser Jahreszeit spüren sie es und darum tun sie mir leid – auch die, die es so wollten !

Ihnen entgeht sehr viel ….

Es gibt sie noch – die reine, unverfälschte Freude und das Lachen

Es gibt sie noch – die reine, unverfälschte Freude und das Lachen

Es ist schon seltsam :

Überall in dieser grauen, ungemütlichen Jahreszeit geht es hier in Berlin kaltherzig, ruppig und rechthaberisch zu. Gesetze zählen nicht – ob es das Rauchen auf den Bahnhöfen oder das Fahren bei Rot über die Kreuzung ist !

Wer mit offenen Augen durch diese Stadt und unsere Gesellschaft läuft, stellt fest :

Das Ich-Denken mit all der Rücksichtslosigkeit gegen andere hat sich einen festen Platz im täglichen Leben erobert.

Das fällt besonders mir als gelerntem Ossi auf, der früher anders erzogen wurde und auch anders aufgewachsen ist ! Es tönt zwar – gerade in der jetzt beginnenden Vorweihnachtszeit – wieder das schöne Lied von der (christlichen ) Nächstenliebe, nur seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst und schauen uns um : Das sind doch Eintagsfliegen im Vergleich zum normalen Leben ! Da spendet zum Beispiel "Otto mit großem Namen" medienwirksam zu einer Hilfsgala für Verkehrsopfer 10.000 €, führt dort bei einer Flasche Wein angeregte Gespräche am Tisch mit anderen zahlungskräftigen Selbstfahrern und setzt sich dann mit leichtem Schwanken an das Steuer seines Autos, um wie immer die Umschaltphasen der Ampeln zwischen Gelb nach Rot zum Beschleunigen statt zum Bremsen zu nutzen (Rotfahren ist übrigens zur Normalität in dieser Stadt geworden) ! Jede Hilfe den Verkehrsopfern !

… und dann begegnet mir heute früh in der S-Bahn von Friedrichstraße zum Tiergarten ein Lachen und ehrliche Fröhlichkeit ! Eine Schulklasse taubstummer Mädchen und Jungen so im Alter 10 – 12 Jahre. Herrlich, wie die "Damen" freundschaftlich rumalberten – ohne Hintergedanken und Affektheischerei – wie sich die Jungen zurückhaltend verhielten Laughing —> erinnerte mich irgendwie an die Zeit vor mehr als …. Jahren !

Nur schade, daß sie dieses unbeschwerte Verhalten – dieses den anderen nicht übervorteilen wollen – in dieser Gesellschaft schnell ablegen werden und mit zunehmendem Alter und Eingebundensein in die gesellschaftlichen Strukturen dieses Landes dem Schicksal der neben ihnen lebenden Menschen immer weniger Beachtung schenken werden —> nur um immer schneller, weiter und höher zu kommen !

Warum kann man diese Ehrlichkeit der Kinder im Umgang miteinander nicht bewahren ?

In diesem Sinne besinnliche Adventstage …

Deutsche Geschichte im November

Deutsche Geschichte im November

Der Monat November wird in den Medien als der Geschichtsmonat der Deutschen in den letzten 100 Jahren hochgespielt :

  • Novemberrevolution 1918
  • Zerstörung jüdischer Synagogen und jüdischen Eigentums in der Reichspogromnacht (sogenannte "Reichskristallnacht")
  • Fall der Mauer

Nun ist noch ein Datum hinzugekommen : 24. November 2008

An diesem Tag erklärte sich der amtierende Innenminister der Bundesrepublik Deutschland Dr. Wolfgang Schäuble in der 3. Berliner Medienrede der Evangelische Akademie zu Berlin dahin, daß er feststellte, es gäbe keine absolute Freiheit ! "Wie jedes Freiheitsrecht ist auch die Freiheit der Presse nicht absolut." (Originalzitat aus oben genannter Rede –> Link )

Ich fasse es nicht ! Jedes Jahr bei den Jubelfeiern im Gedenken an das Jahr 89 wird mir gebetsmühlenartig vorgesungen, daß die mit den Kerzen um die Häuserblöcke gezogenen Leute in der DDR die Freiheit für sich, für mich und ihr Land erstritten haben. Leichtgläubig wie ich bin, habe ich das natürlich bisher immer geglaubt Laughing (obwohl ich in der Schule ja gehört habe, daß sich die Freiheit über die Einsicht in die objektive Notwendigkeit definiert) ! Und nun wird mir vom Bundesinnenminister 18 Jahre nach dem Beitritt der DDR zur BRD gesagt, daß auch hier in diesem gelobten Land die Freiheit eingeschränkt ist. Wo bin ich nur hingeraten …

Wer ist denn nun eigentlich hier frei ? Irgendeinen muß es doch geben – sonst würden doch nicht alle so verklärt schauen, wenn es um diesen Begriff geht ! Sind es die mit dem großen Geld ? Weil sie sich durch den Besitz dieses das Bezahlen von cleveren Anwälten ermöglichen, die sie wiederum gegenüber den Forderungen der durch die Gesellschaft determinierten Gesetze abschirmen und immun machen ? Ich gewinne ja immer mehr den Eindruck, daß die zu DDR-Zeiten in diesem Sinne hilfreiche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei abgelöst wurde durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einkommens- bzw. Standesgruppe, deren Mitgliedschaft sich durch den Geldbetrag auf dem Konto bestimmen läßt !

Aber was soll´s ! Ein Gutes hat dieser Vortrag vom Herrn Schäuble für mich auf jeden Fall : Ich weiß jetzt, daß – wenn mir nochmals jemand etwas von Freiheit hier erzählt –  ich demjenigen einen Vogel zeige und ihn an unseren Innenminister verweisen werde …

Es steht aber immer noch die Frage : Freiheit ? – für wen ?

Brandenburg im Schnee

Brandenburg im Schnee

Langsam wird es ruhiger – die Hektik des Alltages, in den ich seit Februar eingespannt war, weicht einer ruhigeren und besinnlicheren Zeit ! Mehr auf die innere Stimme hören – das mahnte hier in einem Kommentar ein älterer (zu dem Zeitpunkt laut eigener Aussage besoffener) Herr an ! Die Briefmarkensammlung mal wieder rausholen – ich fange wieder an und ja tatsächlich : Beim Anblick einiger Marken kamen alte, längst verschüttete Erinnerungen wieder schemenhaft zurück. Von Spielen auf Dachböden mit verrosteten Gewehren und abendlichen Sitzen auf dem Bellinger Sandberg mit Blick runter auf das Dorf (die Schützengräben dort gibt es heute nicht mehr – sie wurden weggebaggert) – und von Tagen und langen Abenden mit Schnee und Eis auf den künstlich gefluteten überfrorenen Wiesen unterhalb Blums und einem schimpfenden Herrn Krasemann (heute endlich meinerseits eine Entschuldigung für das saure Gras im nächsten Frühjahr). Das alles ging mir dieses Wochenende im Märchenschloß Boitzenburg so durch den Kopf. Mecklenburg ist schön !  … und früher war sowieso alles anders : Die Sommer wärmer und die Winter schneereich und kälter !

Ja Leute – glaubt dem alten Herrn (dem oben erwähnten ) und fangt an zu leben ! Es ist auch bei mir noch nicht alles perfekt – aber ich arbeite dran ! Smile